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SCHIENE regional

zuletzt aktualisiert am 01.10.2007 / pa Impressum

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Nahverkehr im Ortenaukreis - NVOG

Streckenmeldungen Südwest (akt. 28.09.2007)

"Stuttgart 21" - ab in die Röhre! Stellungnahme

www.posten60.de - ganz dicht dran an der Schwarzwaldbahn
Die Strecke, die Tunnel, der Betrieb, die Geschichte, Fotos ...

"SCHIENE regional"  und "Nahverkehr im Ortenaukreis" sind nichtkommerzielle, private Internet-Projekte mit dem Ziel der Darstellung und Förderung des Schienenverkehrs in Mittel- und Südbaden und des ÖPNV mit dem Schwerpunkt Ortenau.


Fernverkehr: IC 2371 auf der Schwarzwaldbahn
Optimierte Mangelverwaltung

Fahrplan 2008

Bekanntlich ist das Land Baden-Württemberg seit der Regionalisierung Aufgabenträger und Besteller des Personennahverkehrs auf der Schiene (SPNV) im "Musterländle". Nicht gerade mustergültig waren die beiden Streichungswellen im SPNV, 2005 nach einem "Controlling" (Mappus: "Keine heisse Luft transportieren") und im Juni 2007 nach der Kürzung der Regionalisierungsmittel durch den Bund.

Foto links: IC 2371 ist ein "Sonderling" im Fernverkehr, verlässt er doch, von Hamburg kommend, in Offenburg das Rheintal und fährt über den Schwarzwald nach Konstanz am Bodensee.

Fernverkehr

Der Fernverkehr auf der Schiene ist unabhängig in seiner Angebotsgestaltung. Eine längst überfällige Maßnahme wird jetzt, 14 Jahre nach der Einführung des Offenburger "Holpertakts" im Fernverkehr, umgesetzt: Ab dem Fahrplanjahr 2008 wird es wieder einen festen Fernverkehrsknoten in Offenburg geben, d.h. die Züge aus Richtung Mannheim (an Minute 27, ab 29) und aus Richtung Basel (an 28, ab 30) werden sich stündlich etwa zur gleichen Zeit in Offenburg begegnen. Für die Übergänge von und zum Nahverkehr auf Schiene und Straße ist das ein entscheidender Vorteil. Erkauft wird der Vorteil durch den Wegfall der Direktverbindungen nach Hamburg auf der ICE-Linie 20 (der oben abgebildeten IC 2371 und sein Gegenzug 2370 halten natürlich weiterhin in Offenburg). Auf die Linie 20 muss künftig in Karlsruhe umgestiegen werden. Andererseits wird die Verbindung ins Rheinland (ICE-Linie 43) künftig stündlich umsteigefrei angeboten.
Ein besonders Angebot lebt nach vielen Jahren wieder auf: Schon die Bezeichnung "Kurswagen", früher allgegenwärtig, muss man sich heute im Mund zergehen lassen. In Offenburg wird man ab Dezember 2007 wieder in einen Kurswagen nach Moskau einsteigen können - Reisekultur statt (TGV-) Raserei. A propos TGV: Wie angekündigt wird eines der vier TGV-Zugpaare zwischen Paris (Est) und Stuttgart bis/von München verlängert (mit Halt in Ulm).

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 wird Offenburg eine "City-Ticket-Stadt". Das "City-Ticket" wird Bahncard-Inhabern ohne Aufpreis auf die Fernverkehrs-Fahrkarte gedruckt, wenn diese Offenburg als Start- oder Endpunkt der Reise über 100 km ausweist. Mit Bussen und Bahnen kann damit innerhalb der TGO-Tarifzonen 50, 51 und 52 die Fahrt begonnen oder beendet werden, ohne zusätzliche Fahrscheine vom oder zum Bahnhof zu erwerben. Ohne Bahncard kann hingegen das Angebot "City mobil" genutzt werden. Beim Kauf der Fernfahrkarte wird einfach der Fahrpreis eines TGO-Einzelfahrscheins oder einer TGO-Tageskarte für das Offenburger Stadtgebiet hinzugebucht. Gerade für ortsfremde Reisende erleichtert sich der Übergang vom Zug auf den örtlichen Nahverkehr, wenn dabei keine zusätzliche Fahrkarte gelöst werden muss.

Schienenpersonennahverkehr

Die Überschrift dieser Seite weist bereits darauf hin, dass der Besteller (das Land BW, im Spagat zwischen rigorosem Sparhaushalt und maßloser Geldverschwendung für ein weitgehend unsinniges Großprojekt in der Landeshauptstadt) nicht durch Mehrbestellung auf die hohe Inanspruchnahme der außerordentlich erfolgreichen Angebote im SPNV reagiert. So muss sich der Betreiber, in diesem Fall besonders DB Regio Südbaden, etwas einfallen lassen, um die Fahrgäste nicht zu verprellen. Während es im Rheintal zwischen Offenburg und Basel böse Stimmen wegen der Kürzungen zum Fahrplanwechsel am 10. Juni gab, "leidet" die Schwarzwaldbahn an ihrem großen Erfolg: die Züge sind teilweise brechend voll, es blieben in Einzelfällen sogar Reisewillige am Bahnsteig zurück.

KBS 702 Offenburg - Freiburg - Basel: Der im Zulauf auf Freiburg überlastete RE 5155 (Offenburg ab 6.34 Uhr) bekommt ab Emmendingen von montags bis freitags einen "Vorzug" (RB 31171 bis Müllheim/Baden). Zur Verrechnung der Zugkilometer, zusätzliche Leistungen werden nicht bestellt, müssen dafür die Spätverbindung ab Offenburg (0.45 Uhr) nach Basel, nun auch in der Nacht auf Samstag, entfallen. Über Jahre war um die neue Fahrplanlage gerungen worden, die einen Anschluss aus der OSB 87469 von Straßburg herstellte. Auch der schmerzliche Verlust des Zugs von Offenburg (ab 21.07 Uhr) nach Freiburg seit dem 10.06.2007 wird nun durch den Wegfall am verbliebenen Samstag komplettiert. Samstags und sonntags entfällt außerdem ein RB-Zugpaar zwischen Freiburg und Offenburg. Durch Verschiebung der Abfahrtzeit von RE 31028 in Basel Bad Bf (bisher 20.48, neu 21.26 Uhr) wird der Anschluss aus Ulm und Singen aufgenommen. Offenburg wird rechtzeitig erreicht für die Anschlüsse nach Hausach (freitags bis Villingen) und nach Karlsruhe, beide mit kurzen Übergangszeiten.

KBS 702/720 Karlsruhe - Offenburg - Konstanz: Die "Neue Schwarzwaldbahn" hat Probleme, die man sich anderenorts nur wünschen kann - eine enorm gestiegene Nachfrage, die allerdings das Platzangebot oftmals übersteigt. Alle Änderungen gegenüber dem Sommerfahrplan 2007 dienen der Bereitstellung zusätzlicher Züge und Wagen in nachfragestarken Verbindungen. Bezahlt werden muss auch hier durch Streichungen von Zügen und Platzkapazitäten in besonders gering ausgelasteten Verbindungen. Die Optimierung des Fahrzeugeinsatzes muss dabei in zwei Fällen auch mit gebrochenen Verbindungen erkauft werden, wobei die Reisenden allerdings am selben Bahnsteig umsteigen können (RE 4749 auf 4751 und RE 5180 auf 4728, jeweils in Offenburg).

Am frühen Morgen fährt RE 4742 neu bereits ab Konstanz (montags bis freitags, samstags, wie bisher, ab Singen) bis Offenburg. Die Aufenthaltszeit in Hausach wurde verkürzt, was den Übergang in Offenburg zum ICE Richtung Norden entspannt. Die gemeinsame Führung mit 4756 bis Hausach findet nicht mehr statt. Dieser Zug wird neu von Offenburg zugeführt und fährt nur noch montags bis freitags zwischen Hausach und Offenburg als "Schülersammler".

Die Ortenau-S-Bahn erreicht mit einer früheren Abfahrt des 87318 in Alpirsbach die Herstellung eines sicheren Übergangs in Hausach auf den IRE 4700 nach Karlsruhe. Der Zug in Gegenrichtung, OSB 87311, wird von Bad Griesbach über Offenburg kommend nach Freudenstadt über Hausach hinaus verlängert. Er verlässt Hausach erst um 7:30 Uhr, um Reisende aus IRE 4700 aus Konstanz aufnehmen zu können.

Der bisherige RE 5182 verließ Offenburg um 9.02 Uhr (aus dem "Baden-Württemberg-Ticket-Knoten") und war bis Karlsruhe oft hoffnungslos überlastet. Neu wird montags bis freitags eine sechsteilige Einheit ab Offenburg eingesetzt (ab 9.07 Uhr), wobei die Fahrgäste aus dem Zulauf von Kreuzlingen (RE 5180, an 8.59 Uhr) am selben Bahnsteig umsteigen müssen. Am Wochenende (BW-Ticket schon vor neun Uhr gültig) wird RE 5182, wie bisher von Kreuzlingen bis Karlsruhe, allerdings mit vier Wagen, gefahren.

Neue Entlastungszüge verlassen Offenburg um 15.35 (freitags), 15.58 (sonntags) und 17.35 Uhr (montags bis donnerstags) zur Fahrt nach Karlsruhe. Auch ab Karlsruhe verkehren zwei Züge in Zwischenlage während der werktäglichen Verkehrsspitze am Nachmittag. Neben RE 4733 (KA ab 16.39 Uhr) fährt montags bis donnerstags RE 4735 (vsl. ab 18.39 Uhr), freitags RE 4729 (wegen der früher einsetzenden Hauptverkehrszeit bereits um 14.39 Uhr) nach Offenburg. Als weiterer Entlastungszug verlässt RE 4747 sonntags um 17.02 Uhr Karlsruhe und fährt ebenfalls bis Offenburg.

Der Laufweg von RE 4737 (KA ab 20.10 Uhr) war durch die Reduzierung der Regionalisierungsmittel ab 10.06.2007 gekürzt worden. Im Fahrplanjahr 2008 wird wieder von Karlsruhe über Singen hinaus bis Konstanz gefahren (an 23.27 Uhr). Der nachfolgende RE 4751, Karlsruhe ab 21.16 Uhr, verkehrt sonntags weiterhin bis Konstanz, werktags aber nur bis Offenburg. Dort besteht, mit vier Minuten Übergangszeit, eine Weiterfahrmöglichkeit bis Villingen (Schw). Für die wenigen Reisenden, die weiter möchten, gibt es in Villingen Anschluss nach Tuttlingen über Donaueschingen und Immendingen. Um 0.14 Uhr geht es von dort auch noch weiter auf der Gäubahn bis Singen (Htwl).

Der letzte Zug des Tages, der von Karlsuhe kommend in Offenburg das Rheintal verlässt und in den Schwarzwald fährt, verkehrt nur noch freitags - wie gewohnt - bis Villingen (Schw). An allen andern Tagen endet er dagegen in Hausach. Dieser Zug, der seit Dezember 2006 in Offenburg den wichtigen Spätanschluss aus Freiburg aufnimmt, wurde ab Hausach nur marginal genutzt. Vielfach hatte der Zugbegleiter ab Hornberg freie Auswahl unter 459 Sitzplätzen.

Der Fahrplan der Ortenau-S-Bahn wird ebenfalls in einigen Details geändert. Die frühere Abfahrt der OSB 87391 in Achern (06:55), wobei die Anschlüsse von der Karlsruher Stadtbahn und aus dem Achertal erhalten bleiben, ermöglicht neu den Übergang in Appenweier nach Kehl.

Reaktionen

Eine Bewertung der Kürzungen für den südlichen Teil der Schwarzwaldbahn fiel in den lokalen Presseorganen (Schwarzwälder Bote, Südkurier) sehr negativ aus. Die Einschätzung, dass die Landesregierung, unter Leitung von MP Oettinger, mit leichter Hand Milliarden für Stuttgart 21 samt Flugplatz- und Messeanbindung verschenkt, im Schwarzwald aber rigoros spart und streicht, ist durchaus zutreffend. Die Prügelknaben, NVBW als Besteller und DB Regio als Betreiber, haben allerdings keine Schelte verdient. Mit Fleiß und Geschick wurden die vorhandenen Resourcen (Fahrzeuge und Zugkilometer) so disponiert, dass Kapazitäten dort ausgeweitet werden, wo regelmäßig hohe Nachfrage besteht. Verlierer sind die wenigen Fahrgäste, die auf die äußerst spärlich besetzte Züge am späten Abend angewiesen sind. Andere Regionen, wie einige Gemeinden am südlichen Oberrhein, hat es bei den Kürzungen zum 10.06.2007 - vornehmlich am Wochenende - sehr viel härter getroffen, als nun die Regionen Schwarzwald-Baar, Hegau und Bodensee.