SCHIENE regional - Bahnthemen Südwest

© 2020 by Frank-D. Paßlick, Biberach/Baden
 

Ein Virus verändert auch die Welt der Bahn und des ÖPNV

Eine Bestandsaufnahme von Frank-D. Paßlick
 

Bitte nur noch hinten einsteigen

Coronas Folgen

 
(15.03.2020) Die Deutsche Bahn leidet unter massiven Einbrüchen bei den Fahrgastzahlen - sie gibt sich trotzdem großzügig, was die Stornierung von Fahrten und die Rückerstattung der Fahrpreise, auch bei Sparpreisen, betrifft. Informationen dazu unter bahn.de
Außerdem wird in den Fahrzeugen sehr viel desinfiziert und, soweit dies technisch möglich ist, die Türöffnung nach dem Halt an Bahnsteigen zentral durchgeführt, um Berührungen mit den entsprechenden Bedienelementen vermeiden zu helfen.

Die Südwestdeutsche Landesverkehrs-Aktiengesellschaft SWEG hat seit dem 16.03.2020 Maßnahmen ergriffen, die Busfahrer schützen oder Übertragungen des Covid-19-Virus - auch durch durch sie - zu verhindern: Der Einstieg kann nicht mehr durch die vorderen Türen erfolgen, sondern nur noch hinten. Der Fahrerbereich ist abgeschirmt und es werden keine Fahrscheine mehr im Bus verkauft. Diese müssen daher VOR Fahrtantritt über andere Vertriebswege gekauft werden (z. B. Fahrkartenaustomaten, online oder Abos).

Corona-Fahrpläne der Ortenau-S-Bahn

Seit 17.03.2020 wird, bis vsl. 19.04.2020, der "Ferienfahrplan" gefahren. Weitere Veränderungen der Fahrpläne ab 23.03.2020, mit vielen gestrichenen Zügen des bisherigen Angebots, gibt es bei sweg.de im Internet. Der Corona-Fahrplan für die wichtige Linie Freudenstadt - Hausach - Offenburg - Bad Griesbach u.z. wird hier als pdf zur Verfügung gestellt;  Corona-Fahrplan Freudenstadt - Bad Griesbach u.z..

"Darüber hinaus werden alle Fahrgäste gebeten, in den SWEG-Verkehrsmitteln den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Gesundheitsbehörden des Landes und der Kommunen zu folgen und die notwendigen Hygienemaßnahmen unbedingt einzuhalten" schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

Auch die neue TGO Geschäftsstelle ist für den persönlichen Kundenverkehr geschlossen. Alle Anliegen werden aber weiterhin bearbeitet. Nutzen Sie bitte zur Kontaktaufnahme Telefon, E-Mail oder die postalische Zustellung.


In einer Pressemeldung vom 18.03.2020 schreibt das Verkehrsministeium BW:
"Der ÖPNV in Baden-Württemberg soll, bei reduziertem Betrieb, dauerhaft stabil funktionieren."

Wegen der Corona-Pandemie einigten das Verkehrsministerium und die Verkehrsbranche auf Leitlinien für Regionalverkehr auf der Schiene, sowie über Hinweise für den Verkehr mit Bussen und Straßenbahnen.
"Der öffentliche Verkehr mit Bahnen und Bussen wird auch während der Corona-Pandemie aufrechterhalten" teilt der Minister für Verkehr, Winfried Hermann MdL am 18. März mit und erklärt: "Wir werden für ein reduziertes, aber stabiles Grundangebot im öffentlichen Verkehr sorgen."
"Natürlich hat der Schutz der Fahrgäste und des Betriebspersonals oberste Priorität. Es gilt Vorsichtsmaßnahmen und Verhaltensregeln, wie zum Beispiel Abstand zu halten, zu befolgen."

Leitlinien für den Schienenpersonennahverkehr auf den Eisenbahnstrecken (SPNV)
Einschränkungen werden in zwei Stufen am 23. und am 30. März 2020 wirksam.
"Unter Federführung der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) wird für die Zeit ab dem 23. März mit den Eisenbahnunternehmen auf allen Strecken ein ausgedünntes, aber stabiles Grundangebot für berufsbedingt notwendige Fahrten geplant. Das Angebot soll nur im Einzelfall reduziert werden, wenn der Krankenstand des Betriebspersonals es akut erfordert. Trotz nachlassender Fahrgastzahlen sollen die Züge bis zum 22. März in gewohnter Taktdichte und Kapazität fahren."

Die Züge werden nicht verkürzt. "Wir wollen es den Fahrgästen erleichtern, die Sicherheitsabstände von mindestens 1,5 Metern zu Mitreisenden einzuhalten."

Reduziert auf regelmäßige stündliche Angebote auf allen Strecken (wenn möglich mit Verdichtung zur morgendlichen Stoßzeit),

Ministerium für Verkehr BW (18.06.2020): Maßnahmen im OEPNV während der Corona-Pandemie (pdf, 306 kB)
EU-Kommission: Leitlinien Fahrgastrechte


(Ticker 19.03.2020) Kunden von FlixTrain können ab heute mit ihren Tickets die ICE- und IC-Züge der Deutschen Bahn nutzen. Auf diese Regelung haben sich die beiden Unternehmen verständigt. Sie gilt zunächst bis Ende April.

Schwarzwaldbahn-Zug bei Schönberg (Kinzigtal)

(Ticker 19.03.2020) Einschneidende Änderungen des Angebots wird es ab 23. bzw. 30. März bei den Fahrplänen von DB REGIO geben.
Der Corona-Fahrplan auf der Schwarzwaldbahn halbiert tagsüber das bisherige Angebot.
Abgesehen von den schon lange Zeit bestehenden Abweichungen vom Taktverkehr in den Tagesrandlagen, fahren die Doppelstockzüge der Schwarzwaldbahn nur noch im Zweistunden-Takt.
Merkhilfe: Es verkehren die Züge mit Ankunft/Abfahrt in Offenburg um die ungerade Stunde herum.
Beispiel 11 Uhr: Ankunft von Karlsruhe 10:56 / Abfahrt nach Konstanz 10:59; in Gegenrichtung von Konstanz an 10:59, ab nach Karlsruhe 11:02. Alle Zügen fahren, wie gewohnt, mit vier Wagen.


Im Rheintal wird zwischen Freiburg und Offenburg stündlich in beide Richtungen ein Zug gefahren, unregelmäßig als RE oder als RB. In Gegenrichtung ebenso. Die Anschlussbeziehungen zur Schwarzwaldbahn Richtung Karlsruhe und Konstanz sind überwiegend durch erhebliche Übergangszeiten erschwert.

Zwischen Offenburg und Karlsruhe ist der zweistündliche "Corona-Takt der Schwarzwaldbahn" auf stündlich verdichtet. Jeweils um die gerade Stunde verkehren ab Offenburg von/nach Karlsruhe "Zwischentaktzüge".


(Ticker 20.03.2020)

Die Schweiz verbietet ab sofort den Halt deutscher Züge in schweizerischen Bahnhöfen. Basel Badische Bahnhof ist davon ausgenommen, denn er liegt zwar auf dem Territorium der Schweiz, ist aber deutsches Hoheitsgebiet.

IC-Züge Stuttgart Singen (Htw) Schaffhausen Zürich fallen zwischen Singen (Htw) und Schaffhausen (Schweiz) aus.

ICE-Züge Berlin Frankfurt (M) Mannheim Basel Interlaken Ost fallen zwischen Basel und Interlaken Ost aus. Reisende können in Basel auf Ersatzzüge der SBB Richtung Interlaken Ost umsteigen.

ICE-Züge Kiel/Hamburg Hannover Frankfurt (M) - Mannheim Basel Chur fallen zwischen Basel und Chur aus. Reisende können in Basel auf Ersatzzüge der SBB Richtung Chur umsteigen.

Die Regio-S-Bahn ins Wiesental verkehrt weiterhin, der Bf Riehen (CH) wird ohne Halt durchfahren.

Der Regionalverkehr am Hochrhein mit dem IRE Basel - Waldshut - Singen [- Ulm] durchfährt den Teil des schweizerischen Territoriums ohne Halt (einschließlich Schaffhausen (CH).


(Ticker 20.03.2020) Viele der DB Reisezentren in den größeren Bahnhöfen werden derzeit nicht mehr geöffnet. In der Region sind nur noch die Reisezentren Basel Bad Bf, Freiburg (Brsg) Hbf und Karlsruhe Hbf an sieben Tagen in der Woche von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.


(200320)  Wer macht eigentlich die Corona-Notfahrpläne?

Fahrpläne sind sehr komplexe Gebilde in einem vielschichtigen Netzwerk: Einige (und bei Weitem nicht alle) Elemente, aus denen Fahrplaner ihre Arbeit aufbauen, sind: Der Beförderungsbedarf von Personen oder Gütern, die Vorgaben aus der verfügbaren Infrastruktur und ihrer Nutzung (z.B. Streckenklasse, Geschwindigkeitsprofile, bestellte und bereits zugeteilte Fahrplan-Trassen im Fern- und Güterverkehr), freie und geeignete Bahnsteige für den Fahrgastwechsel, die Verfügbarkeit von Fahrzeugen (Fz-Umläufe, deren Zuführung zu Betriebshöfen, aus den Umläufen heraus, für notwendige Wartungsarbeiten/Fristen etc.) und - jetzt wird es ganz schwierig - Personal-Einsatzpläne (z.B. die Berücksichtigung notwendiger Pausenzeiten der Triebfahrzeugführer).

Im Personennahverkehr kann ein Notfahrplan, wie er jetzt infolge der Corona-Krise erstellt werden musste (u.a. auch wegen der zu erwartenden Personalengpässe durch Infektionen oder Quarantäne) nur in Zusammenarbeit der Angebotsplaner des Aufgabenträgers (Land BW/MV BW/NVBW) und der Verantwortlichen der Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU/Betreiber im Regionalverkehr) aufgesetzt werden.

Das Magazin von bwegt.de berichtet von den bewegten Tagen der sieben Männer und einer Frau, die als Mitarbeiter der Nahverkehrsgesellschaft BW innerhalb eines viertägigen Marathons die Corona-Fahrpläne für 90 Strecken in Baden-Württemberg erstellen mussten. Hier einige Zitate:

"Trotz Corona-Virus muss ein stabiles Grundangebot im öffentlichen Nahverkehr garantiert werden."

"16. März 2020: Seit heute ist in der Abteilung von Dietmar Maier alles anders: Die meisten seiner 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben an diesem Montag ihre Büros verlassen. Nur eine 'kleine Stallwache' ist noch vor Ort in der Dienststelle der NVBW in Stuttgart. Alle anderen arbeiten jetzt im Homeoffice. [...] Seine sieben Angebotsplaner und ihre Teamleiterin sind gerade mit den Ausschreibungen für den Jahresfahrplan 2021 beschäftigt, die jetzt erstmal liegen bleiben müssen."

Die Planer machen sich sofort an die Arbeit und beginnen auf allen 90 Strecken ein stabiles Grundangebot im Schienennahverkehr auf die Beine zu stellen.

17. März 2020: "Die Corona-Krise hat inzwischen auch den Schienenpersonennahverkehr in Baden-Württemberg erreicht. Der Krankenstand bei den Verkehrsunternehmen steigt kontinuierlich. Seit Schulen, Universitäten und andere öffentliche Einrichtungen geschlossen sind, sitzen außerdem deutlich weniger Fahrgäste in den Zügen. Die Angebotsplaner der NVBW arbeiten unter Hochdruck. Strecke für Strecke gehen sie das Schienennetz, gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen, durch und setzen neue Fahrpläne auf. Die Maßgabe: Innerhalb der nächsten zwei Tage mit den zehn Verkehrsunternehmen ein ausgedünntes, aber stabiles Grundangebot für berufsbedingt notwendige Fahrten in ganz Baden-Württemberg auf die Beine stellen. Jeder Planer hat 10 bis 20 Strecken vor sich.

Auch die Länge der Züge haben sie im Fokus: Die bisherige Anzahl der Waggons soll beibehalten werden, damit der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Fahrgästen problemlos eingehalten werden kann. Außerdem muss mit dem neuen Fahrplan Personal bei den Eisenbahnunternehmen eingespart werden, um bei eventuellen Krankenständen darauf zurückgreifen zu können."

18. März 2020: "Das Team der Angebotsplaner ist nach wie vor hoch motiviert. [...] Am Mittag steht der neue Fahrplan zu 90 Prozent. Die jahrelange Erfahrung der Planer in der Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen und genaue Kenntnis der Netze zeigen jetzt ihren Erfolg. In der täglichen Telefonkonferenz mit dem baden-württembergischen Verkehrsministerium und der DB-Netze AG informiert Dietmar Maier am Abend die Vertreter der verantwortlichen Schnittstellen über das Arbeitsergebnis des Tages."

19. März 2020: "Die neuen Streckenfahrpläne sind weitgehend fertig. Sie müssen heute bis 15:30 Uhr auf den Server des Europäischen Fahrplanzentrums hochgeladen werden. Nur dann können sie ab Montag, 23. März, um 00:00 Uhr auch auf dem Fahrplannavigator der Fahrgäste in Baden-Württemberg abgerufen werden. Denn auf diese zentrale Datendrehscheibe greifen sämtliche ÖPNV-Informationssysteme zu."

Zitate aus einem bwegt-Magazin-Artikel, veröffentlicht am 20.03.2020.
Der vollständige Artikel steht unter Erstellung des Corona-Notfahrplans unter Zeitdruck verfügbar.


Tschüss bis morgen...